Einblick in den Nachhaltigkeitsbericht 2025
Einblick in den Nachhaltigkeitsbericht 2025

«Sich selbst überprüfbar machen»

Was waren 2025 die Highlights aus Nachhaltigkeitsperspektive? Wie misst die Alternative Bank Schweiz (ABS) ihre Klimawirkung und was hat sie letztes Jahr konkret für die Biodiversität getan? Katrin Wohlwend und Isabelle Vieli sind bei der ABS zuständig für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Im Gespräch geben sie Einblick in den jüngst erschienenen Bericht 2025 und ordnen einzelne Ergebnisse ein.

Interview: Larissa Jecker

<p>Katrin Wohlwend (links) und Isabelle Vieli (rechts) haben den Nachhaltigkeitsbericht 2025 verfasst. (Foto: Wolf Fotografie)</p>

Katrin Wohlwend (links) und Isabelle Vieli (rechts) haben den Nachhaltigkeitsbericht 2025 verfasst. (Foto: Wolf Fotografie)

Warum veröffentlicht die ABS jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht?

Katrin Wohlwend (KW): Die ABS braucht aus zwei Gründen einen Nachhaltigkeitsbericht. Erstens hat sie seit ihrer Gründung vor über 35 Jahren hohe Ansprüche an ihre eigene Transparenz. Das ist quasi ein Teil ihrer Identität und geht bekanntlich so weit, dass sie ihre Kredite offenlegt. Die ABS will sich selbst überprüfbar und ihre Versprechen hinterfragbar machen.
Zweitens ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung eine wichtige Basis für die strategische Ausrichtung und die Steuerung der Bank. Auch wenn wir uns bewusst sind, dass sich nicht alles Wichtige messen lässt, brauchen wir Informationen, um realistische Ziele und Massnahmen festlegen zu können. Denn was nicht systematisch angepackt wird, ist letzten Endes ein Blindflug. Und Themen wie Klima oder Biodiversität kann gerade eine Bank wie die ABS nicht einfach dem Zufall überlassen.

Was war 2025 aus Nachhaltigkeitsperspektive besonders erfreulich?

Isabelle Vieli (IV): Die ABS hat sich selbst das Ziel gesetzt, dass mindestens 80 Prozent ihrer Kredite in ihre neun Förderbereiche fliessen. Wie bereits in den Vorjahren wurde dieser Anspruch auch 2025 deutlich übertroffen: So konnten letztes Jahr knapp 90 Prozent der Finanzierungen einem Förderbereich zugeordnet werden.

89,6
%
aller Kredite konnten 2025 einem unserer neun Förderbereiche zugeordnet werden.

Den grössten Anteil am Kreditvolumen hatten die Bereiche «Zukunftsweisendes Wohnen und Arbeiten», bei dem vor allem gemeinnützige Bauträger ins Gewicht fallen, sowie «Erneuerbare Energien» und «Gesundheit und Betreuung».

Beispiele aus unserer kReditkundschaft

<p><span style="background-color: #ffffff;">La Bistoquette: Im Herzen von Plan-les-Ouates (GE) hat die Genossenschaft 2025 drei Wohngebäude realisiert, die von ihren und für ihre Bewohnerinnen und Bewohner konzipiert wurden. (Foto: Chloé Cohen)</span></p>

La Bistoquette: Im Herzen von Plan-les-Ouates (GE) hat die Genossenschaft 2025 drei Wohngebäude realisiert, die von ihren und für ihre Bewohnerinnen und Bewohner konzipiert wurden. (Foto: Chloé Cohen)

<p><span style="background-color: #ffffff;">E+H Ingenieurbüro für Energie und Haustechnik: Das private Planungsunternehmen lanciert in Schaffhausen dezentrale Wärmeverbünde auf Basis von Holz, Wärmepumpen und Abwärme. (Foto: Ruben Hollinger)</span></p>

E+H Ingenieurbüro für Energie und Haustechnik: Das private Planungsunternehmen lanciert in Schaffhausen dezentrale Wärmeverbünde auf Basis von Holz, Wärmepumpen und Abwärme. (Foto: Ruben Hollinger)

Mehr Beispiele: abs.ch/inspiration-holen

Wie sah es bei den Anlagen aus?

IV: 2025 waren die grössten Anlagevolumen in den Bereichen «Zukunftsweisende Geschäftsmodelle», «Solidarische Entwicklung» und «Erneuerbare Energien» investiert. Dies zeigt, dass wir mit dem Anlagegeschäft auch Förderbereiche erreichen, die das Kreditgeschäft weniger abdeckt, z. B. «Solidarische Entwicklung», wo vor allem Mikrofinanz-Fonds eine wichtige Rolle spielen. Insgesamt liessen sich rund 67 Prozent aller Anlagen einem Förderbereich zuordnen.

Warum ist der Anteil, der keinem Förderbereich zugeordnet werden kann, im Anlagegeschäft so viel höher als im Kreditbereich?

IV: Das hängt unter anderem mit der Struktur der Fonds zusammen, in die die ABS das Geld ihrer Anlagekundinnen und -kunden investiert. Solche Fonds enthalten meist eine Vielzahl unterschiedlicher Titel aus verschiedenen Sektoren wie z. B. IT, Finanzen und Energie. Eine eindeutige Zuordnung zu einem einzelnen Förderbereich ist deshalb häufig gar nicht sinnvoll. Im Anlagegeschäft hat die ABS keine Zielquote für die Förderbereiche festgelegt.

Inwiefern kann die ABS garantieren, dass die Kredite und Anlagen, die keinem Förderbereich zugeordnet werden, zumindest die Ausschlusskriterien nicht tangieren?

KW: Hier müssen wir differenzieren. Bei den Krediten ist es überschaubarer, da wir im direkten Kontakt mit den Kreditnehmerinnen und -nehmern stehen. Natürlich kann es auch hier Kontroversen geben. Zum Beispiel, wenn es um die Finanzierung einer Solaranlage auf dem Dach eines Unternehmens geht, dessen Kerngeschäft unter unsere Ausschlusskriterien fällt. Aber bei der überwiegenden Mehrheit der Kreditanträge ist klar, ob Ausschlusskriterien zum Tragen kommen oder nicht.


Anlagen in Förderbereichen: 67,1%


Im Anlagegeschäft ist es komplexer. Trotz der umfassenden Analyse und des sorgfältigen Monitorings können sich Titel in den Portfolios von ABS-eigenen oder von uns vertriebenen Anlageprodukten befinden, die aus dem ABS-Anlageuniversum ausgeschlossen sind.

Wie kommt das?

KW: Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Beispielsweise kann es vorkommen, dass sich die Nachhaltigkeitsbewertung eines ursprünglich akzeptierten Titels derart verschlechtert, dass er nachträglich aus dem ABS-Universum ausgeschlossen wird. Handelt es sich um Aktien, müssen diese zwar innerhalb von zwei Jahren verkauft werden, aber bis dahin befinden sie sich in einem ABS-Portfolio. Auch Fonds von externen Anbietern, die von uns nur vertrieben, aber nicht verwaltet werden, können Anteile ausgeschlossener Titel enthalten.

Wie geht die ABS damit um, dass sie ihre eigenen Kriterien nicht zu 100 Prozent einhalten kann?

KW: Erstens wird das ABS-Anlageuniversum von unseren internen Nachhaltigkeitsanalystinnen und -analysten zusammengestellt. Diese agieren unabhängig von der Anlageberatung und der Vermögensverwaltung, was Interessenskonflikte auf einer strukturellen Ebene minimiert. Ausserdem erfolgt die wirtschaftliche Analyse bei uns nachgelagert und erst bei bestandener Nachhaltigkeitsprüfung. Das heisst, wir haben einen standardisierten Prozess mit klaren Verantwortlichkeiten und Schwellenwerten.
Zweitens: Wir legen es offen – ganz nach unserem Anspruch an die Transparenz. Wer sich dafür interessiert, kann im Nachhaltigkeitsbericht detailliert nachlesen, wie hoch der Anteil ausgeschlossener Titel bei einzelnen Produkten beziehungsweise Mandaten ist und was mögliche Gründe dafür sind.

Kommen wir zur Klimawirkung - einem zentralen Thema im Nachhaltigkeitsbericht. Inwiefern beeinflussen Banken eigentlich das Klima?

IV: Ob wir Flug-Obst kaufen oder beim Bauern nebenan unser Gemüse beziehen – alle unsere Handlungen verursachen Treibhausgase und haben damit eine Auswirkung auf das Klima. So auch der Betrieb und die Tätigkeiten einer Bank. Am offensichtlichsten sind Emissionen, die mit dem Betrieb der Standorte zusammenhängen, z. B. Heizen, Strom, Papier oder der Pendelverkehr der Mitarbeitenden. Viel wichtiger sind aber die Auswirkungen unserer Kredite und Investitionen.

Warum?

IV: Als Bank sind wir beteiligt an den Emissionen, die die von uns finanzierten Unternehmen und Immobilien verursachen. Das heisst, wir müssen unseren Anteil an diesen Emissionen gemäss unserem investierten Kapital berechnen. Bei der ABS berücksichtigen wir für die Berechnung unserer Klimawirkung sowohl die betrieblichen als auch die finanzierten Emissionen, sofern eine Berechnungsmethodik existiert und Daten verfügbar und qualitativ ausreichend sind.

In welchem Grössenverhältnis stehen die betrieblichen und die finanzierten Emissionen?

IV: Wie bei vielen Dienstleistungsunternehmen sind die betrieblichen Emissionen bei Banken vergleichsweise gering. Den weitaus grössten Beitrag zum Treibhausgas-Fussabdruck leisten die Investitionen und Kredite. Bei der ABS resultieren mit 151 Tonnen Treibhausgasen nur 0,06 Prozent der gesamten Emissionen aus dem Betrieb. Dagegen stammen 232’984 Tonnen aus den finanzierten Emissionen. Die finanzierten Emissionen der ABS sind damit über 1500-mal höher als die betrieblichen Emissionen.

«Die finanzierten Emissionen der ABS sind
1500-
mal
grösser als die betrieblichen Emissionen.»

Was sind die Herausforderungen beim Messen der Klimawirkung?

IV: Wir haben es mit einem sehr dynamischen Umfeld zu tun. Berechnungsmethoden und die Grenzen des Messbaren verändern sich stetig, was die Vergleichbarkeit mit Vorjahren erschweren kann. Die grösste Herausforderung sind aber immer die Daten – entweder ihre Verfügbarkeit oder ihre Qualität. Wenn man von Treibhausgasbilanz spricht, klingt das nach absoluten, haarscharfen Zahlen. Aber von dieser Vorstellung müssen wir uns verabschieden.

Inwiefern?

IV: Dazu ein Beispiel aus dem Bereich Finanzieren: Eine kleine Schreinerei misst ihre Emissionen nicht selbst. Das wäre nicht realistisch. Hier nehmen wir eine Durchschnittsberechnung für Holzverarbeitungsbetriebe. Das heisst, auch wenn die konkrete Schreinerei vielleicht nur Holz aus der Schweiz bezieht und dadurch kürzere Transportwege hat, zeigt sich dies nicht im Ergebnis. Die Zahl ist also mit Vorsicht zu geniessen, auch wenn die Bilanz eine absolute Emissionszahl suggeriert.

Wie sieht es mit der Datenqualität im Anlagegeschäft aus?

IV: Hier ist die Datenqualität meist besser. Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden, müssen gewisse regulatorische Anforderungen erfüllen und ihre Emissionen offenlegen. Trotzdem kann es auch im Bereich Anlegen Herausforderungen geben, zum Beispiel bei Privatmarktanlagen. Die Kleinbäuerin, die einen Kredit von einem Mikrofinanz-Institut erhält, wird beispielsweise nicht zu ihren Emissionen befragt. Auch hier müssen wir also mit sehr allgemeinen Näherungswerten arbeiten. 

Welche Fortschritte gab es 2025 aus Sicht der Nachhaltigkeitsberichterstattung?

KW: Für mich gibt es zwei relevante Punkte. Erstens haben wir im Bereich der gemeinnützigen Immobilien gute Fortschritte erzielt bezüglich der Datenqualität. Im vorliegenden Nachhaltigkeitsbericht kann die ABS erstmals teilweise auf Primärdaten zu Energieverbrauch und Wärmebezug zurückgreifen. Dies haben wir vor allem dem engagierten Mitwirken unserer Kundinnen und Kunden zu verdanken. Das finde ich toll und alles andere als selbstverständlich, da sie ausser Aufwand nichts direkt davon haben.
Zweitens gibt es kleine Fortschritte im Bereich der Biodiversitätsberichterstattung. Erstmals haben wir auch für unsere Vermögensverwaltungsmandate, für die Finanzanlagen und Beteiligungen der ABS sowie für einen Teil des Kreditgeschäfts Zahlen zur Biodiversität ausgewiesen. Somit kann man für einen grösseren Teil des ABS-Portfolios nun nachvollziehen, ob unsere Kredite und Anlagen in Industrien sind, die tendenziell höhere negative Auswirkungen auf die Biodiversität haben. Das ist erstmal ein kleiner Fortschritt, aber wir bleiben dran und entwickeln unsere Berichterstattung Schritt für Schritt weiter.

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Die ABS hat 2023 den «Finance for Biodiversity Pledge» (FfB-Pledge) unterzeichnet und ist Mitglied der Trägerorganisation «Finance for Biodiversity Foundation» (FfB-Foundation). Was hat die Bank 2025 konkret für die Biodiversität getan?

IV: Auf der relevantesten Ebene – derjenigen der Finanzierungen und Anlagen – sind wir noch ganz am Anfang der Berichterstattung. Hier ging es vor allem darum, einen Wissens- und Erfahrungsaustausch mit anderen Finanzakteuren herstellen zu können sowie die Marktentwicklung zu beobachten.
Zudem haben wir uns letztes Jahr mit unserem eigenen Gebäude in Olten auseinandergesetzt. Als Testkundin haben wir gemeinsam mit SiedlungsNatur unseren Hauptsitz hinsichtlich Biodiversität analysiert. SiedlungsNatur entwickelt aktuell ein Tool zur Beurteilung der Biodiversität von Häusern. Die Ergebnisse dienen uns nun als Grundlage zur Weiterentwicklung unseres Standortes in Olten. Erste Massnahmen wie die Installation von Nistkästen für Fledermäuse, Mauer- und Alpensegler haben wir im ersten Halbjahr 2026 erfreulicherweise schon umsetzen können.
Die ABS engagiert sich zudem im Rahmen von Partnerschaften für die Biodiversität. So haben wir beispielsweise an vier Austauschformaten der Global Alliance for Banking on Values (GABV) sowie an rund zehn Informationsveranstaltungen der FfB-Foundation teilgenommen.

Der Nachhaltigkeitsbericht 2025 ist mit 47 Seiten deutlich kürzer als der Vorjahres-Bericht, der fast dreimal mehr Seiten umfasste. Wie kommt das?

IV: In den letzten beiden Jahren hat die ABS nach dem internationalen Standard der «Global Reporting Initiative» (GRI) Bericht erstattet. 2025 hat sie entschieden, alle zwei Jahre einen GRI-Bericht herauszugeben, um die internen Ressourcen ausgewogener zwischen Berichterstattung und inhaltlicher Weiterentwicklung der Themen einzusetzen. Beim vorliegenden Bericht 2025 handelt es sich um eine schlankere Version, in der wir unserer Berichtspflicht zu Klima und Biodiversität nachkommen und weitere relevante Nachhaltigkeitskennzahlen offenlegen.

Zum Schluss noch ein kurzer Ausblick: Was erwartet uns im Bericht 2026?

KW: Für 2026 berichten wir wieder umfassend nach GRI-Standard. Das heisst, wir werden unsere wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen systematisch beleuchten. Dazu gehören auch soziale Themen wie beispielsweise Arbeitsbedingungen. Vielleicht lassen sich aufgrund des neuen Zwei-Jahres-Turnus die grösseren Linien und längerfristige Entwicklungen besser erkennen. Darauf bin ich gespannt.

Die Autorinnen des Nachhaltigkeitsberichts 2025

<p><strong>Katrin Wohlwend</strong> arbeitet seit neun Jahren bei der ABS und ist zuständig für die Nachhaltigkeitskommunikation im Kreis Marketing und Kommunikation. Nach ihrem Master-Studium in Ethnologie und Philosophie hat sie diverse Weiterbildungen zu Kommunikationsfachthemen sowie in Sustainable Finance absolviert.</p>

Katrin Wohlwend arbeitet seit neun Jahren bei der ABS und ist zuständig für die Nachhaltigkeitskommunikation im Kreis Marketing und Kommunikation. Nach ihrem Master-Studium in Ethnologie und Philosophie hat sie diverse Weiterbildungen zu Kommunikationsfachthemen sowie in Sustainable Finance absolviert.

<p><strong>Isabelle Vieli</strong> verantwortet bei der ABS seit zweieinhalb Jahren die nichtfinanzielle Berichterstattung im Kreis Nachhaltigkeit. Sie verfügt über einen Master of Science in Klimawissenschaften und ein CAS in Management und Umwelt.</p>

Isabelle Vieli verantwortet bei der ABS seit zweieinhalb Jahren die nichtfinanzielle Berichterstattung im Kreis Nachhaltigkeit. Sie verfügt über einen Master of Science in Klimawissenschaften und ein CAS in Management und Umwelt.

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<p>Ausführliche Erläuterungen und detaillierte Kennzahlen gibt es im Nachhaltigkeitsbericht 2025.</p>

Ausführliche Erläuterungen und detaillierte Kennzahlen gibt es im Nachhaltigkeitsbericht 2025.

<p>Ausserdem: Eigener Nachhaltigkeitsbericht für den ABS Living Values – Balanced Fund</p>

Ausserdem: Eigener Nachhaltigkeitsbericht für den ABS Living Values – Balanced Fund

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